Danke Peter Lindbergh – Kunsthalle München 2017

Peter Lindbergh gehört zu einer der schönsten Erinnerungen in meiner Jugend. Es war die Zeit, wo ich nicht mehr weiß, wie oft ich mir heimlich den Schönheitsfleck von Cindy Crawford über die Lippe gemalt habe. Jedes einzelne Model, dass er fotografierte, wurde von einem von uns zum Idol. Er hat es geschafft, dass der Schwerpunkt der Aufnahmen nicht mehr auf dem Brokat-Kleidchen des lebendigen Kleiderständers lagen, sondern er stellte mit seinen Fotografien die unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner Mannequins dar.

Als ich vor gut einer Woche mit einer lieben Freundin in Lindberghs Ausstellung in München war und diese wahnsinnig sinnlichen und auch markanten Schönheiten betrachtete, war ich geschockt. Ca. 250 Bilder, darunter die meisten davon weiblicher Natur und nicht minder wenige Charaktere, die mich aus ihrer schwarzweißen Vergangenheit zum Nachdenken brachten. Denn als ich die Ausstellung in der Teatinerstrasse verließ, fragte ich mich wo ist diese charakteristische Schönheit heute geblieben?

 

Bilde ich mir das nur ein oder sehen heute die Damen auf dem Laufsteg alle gleich aus? Und nicht nur das, auch im Alltag begegne ich immer öfter Frauen, die zwar sehr hübsch sind aber dennoch gleicht so ziemlich eine der anderen. Liegt es an unserer rasenden Zeit, dem world wide web oder haben wir einfach die materiellen Mittel uns Jugend so gut es geht zu kaufen? Perfektionieren wir unser Aussehen nach ein und derselben Vorlage? Wo ist unsere Individualität geblieben?

Wie denkt ihr darüber?

Oder ist es letztendlich doch das Werk von Peter Lindbergh, die innere Schönheit und das Leben jedes einzelnen Models fotografisch darzustellen.

 

 

 

Wir rasen durch Instagram, Twitter, Pinterest  und Facebook, folgen Apps mit den besten Angeboten oder Tipps um uns in Windeseile mit Lashes, Balayage, Ombrelips und Hyaluron zu versorgen. Wir rennen uns die Seele aus dem Leib um neben all dem Superfood gut dazustehen. Dabei schauen wir mehr auf unsere Fitness Tracker als auf den Wald, in dem wir gerade laufen. Es geht schon lange nicht mehr darum was für mich gut ist, sondern dass ich eine der ersten bin, die Dieses, Jenes, Welches in die Öffentlichkeit trägt.

 

Dabei zeigt uns Peter Lindbergh doch bereits seit Jahrzehnten, dass „sexy“ so rein gar  nichts mit Stilettos und Underboobs (Brüste die zur Hälfte unter dem Bikinoberteil rausgequetscht werden), zu tun hat. Und ganz ehrlich, meine Meinung… wer bitte hat sich denn diesen modischen Müll ausgedacht? Als meine Tochter fast 18 Jahre alt war, habe ich stundenlange Diskussionen geführt warum man keinen Rock trägt, der mehr einem Gürtel gleicht. Und heute will man uns Bikinoberteile verkaufen, die um drei Nummern zu klein sind? Bedeutet meine kontroverse Einstellung, dass ich langsam wunderlich werde? Oder komme ich noch aus einer Generation, wo persönliche Reize sich hinter der grazilen Bewegung einer Frau verbergen und nicht hinter einem Fetzen Stoff?

Sagt ihr es mir?

 

 

 

Anna Wintour hatte damals bereits das Gespür für hervorragende Werke, was sie noch heute beweist. Und nach einer On-Off-Geschäftsbeziehung mit Peter Lindbergh, in ihm letztendlich ihr avantgardistisches Pendant gefunden hat. Ich kann mich noch ganz genau an das VOGUE Cover der Supermodels erinnern. Wenn ich die Bilder heute ansehe ist mein erster Gedanke #nomakeup und pure life.

 

 

Linda Evangelista, Christa Turlington, Naomi Campbell, Cindy Crawford und Tatjana Patiz

 

 

Größen wie Tina Turner, Jil Sander, Madonna, Giorgio Armani, Jean Paul Gaultier und unzählig andere interessante Persönlichkeiten rückte Lindbergh in den richtigen Fokus. Einfach so, im Vorbeigehen aus der Hüfte, so scheint es. Ich war fasziniert von der Kunst, der Fotografie und konnte noch lange nicht alles verinnerlichen, was ich gesehen habe. Ich werde mir ganz sicher einen zweiten Besuch gönnen.

 

 

Unter der Leitung des Kurators Thierry-Maxime Loriot könnt ihr die Welt von Peter Lindbergh noch bis 27. August diesen Jahres erkunden. Der Weg nach München lohnt sich und es wäre ein perfektes Muttertagsgeschenk. Genauere Daten zu Öffnungszeiten, Führungen und individuelle Begleitprogramme findet ihr HIER!

Es war nicht nur ein wundervoller Tag mit der lieben Petra, sondern es war ein Wiederzurechtrücken meiner Betrachtungsweise der schönen und wertvollen Dinge im Leben. -Danke Peter Lindbergh!

Eure Diana

 

6 Comments

  • Andrea Bauer sagt:

    Liebe Diana 🖤….. ein toller Post. Du triffst den Nagel auf den Kopf. Ich folge einigen Blogs, bin jedoch von Dir und Deinen Themen absolut angetan….. ein Blog für „Frauen“, vor allem „altersgerecht“…. kein lächerliches Erzwingen, jünger und schöner sein zu müssen/wollen, als die eigenen wunderschönen Töchter…. ich bin 48, meine Tochter 27 und mein Enkel1 Jahr.

    Leider habe ich die Ausstellung nicht besucht, jedoch einige Bilder im Social Media gesehen. Das waren “ echte Persönlichkeiten“. Es ging nicht um makellos, um besser, schöner, schlanker!!!!! Es ging um „Typ-sein“…. irgendwie, bloß nicht in der Menge untergehen und verblassen. Die heutigen Catwalks, „Heidi-Shows“ usw. sind einfach nur noch ein „Nichts“……
    Deswegen: ich hoffe und wünsche mir, noch ganz, ganz viel von Dir ,auf Deinem Blog zu lesen. Authentizität ist das, was Frauen brauchen …..Du bist eine wunderschöne Frau, der Name“ Stilwalk“ passt wunderbar zu Deinem Blog….. Deine Geschichte „About“, hat mich berührt und zeigt Parallelen zu meinem eigenen Leben…. nur leider habe ich noch nicht meine „Erfüllung“ gefunden….
    Dir weiterhin alles Gute, viel Erfolg und Gesundheit!
    Herzliche Grüße
    Andrea

    • Diana sagt:

      Liebe Andrea,
      herzlichsten Dank für Deinen Kommentar, über den ich mich natürlich riesig gefreut habe. So viele liebevolle und rührende Worte, das tut meiner Seele und meiner Motivation richtig gut.Und ja, auch ich hoffe noch viele viele schöne Beiträge schreiben zu dürfen und vielleicht schaffst Du es ja noch bis August und kannst dir die Ausstellung ansehen.
      Es gibt so viele Dinge im Leben, die man nicht macht… hier ist machen mal ganz groß geschrieben.
      Schön zu hören, dass auch Du Omimi (so sagt unser Emilian zu mir) bist. Ich finde diese Rolle einfach so wundervoll
      und freue mich über jeden neuen Tag mit meinem Enkel.

      Nun wünsche ich Dir eine tolle Zeit und was auch immer für dich die Erfüllung darstellt, wünsche ich dir, dass du sie sehr bald findest. Wenn du weißt was deine Erfüllung ist, dann höre auf zu suchen und gib ihr die Chance dich zu finden, das klappt wunderbar.

      Alles Liebe und herzlichste Grüße
      Diana

  • petra sagt:

    Liebe Diana,
    vielen Dank für die tollen Worte die du in deinem Post gefunden hast. Es ging mir ähnlich. Nachdem ich vor Ort die Kunst und das Handwerk von Herrn Lindbergh bewundert hatte, nachdem ich fast alle seine Modele in liebevoller Erinnerung noch beim Namen nennen konnte und ihre Schönheit bewundert hatte, hat es mich abends doch auch nachdenklich gemacht.

    Die Supermodels von damals waren Persönlichkeiten, echte „Typen“. Genauso sind es die „next Topmodels“ heute, denn die schönen und extrovertierten jungen Frauen haben sich nicht verändert. Es ist unser Blick auf sie. Es ist die digitalisierte, konsumorientierte, schnelllebige Zeit die uns (und den Fotografen) nicht mehr die Zeit lässt den Charakter eines Models zu erkennen und uns daher das Model nicht mehr als „Typ“ wahrnehmen lässt, sondern wie früher nur als Kleiderpuppe.

    Ich habe auch an meine (wilde) Zeit damals zurückgedacht zu der ich natürlich auch diese Bilder in mich eingesogen habe, die Zeit der Supermodels und die Zeit von MTV, die Zeit der Träume und durchtanzten Nächte. Wieso ist das für mich heute nicht mehr so? Ich habe mir fest vorgenommen wieder mehr Nächte durchzutanzen und wieder mehr Lebensziele herbeizuträumen. Dass kann man mit 50 noch genauso wie mit 25! (auch wenn die Rekonvaleszenz nach einer durchtanzten Nacht etwas länger dauern wird :-))

    Ich wünsch dir alles Liebe!
    Petra

  • Ralf Siemantel sagt:

    Liebe Diana!

    Ein treffender und zum Nachdenken anregender Post – hat mir Spaß gemacht zu lesen. Lindbergh blickt tief hinter die Kulissen, tief ins Innere seiner Models und macht mit seiner Kamera sichtbar, was wir sonst nicht zu sehen bekommen: den Menschen, die Seele des Models – verletzlich, ehrlich, echt. Lindberghs Arbeiten sind weit mehr als nur das Ergebnis eines Shootings – was mich daran fasziniert ist die Tatsache, dass ich zunächst ein Model in vermeintlich üblicher Pose präsentiert bekomme und mir der zweite Blick eine ganz andere Geschichte/Wahrheit offenbart – überraschend nah, berührend und persönlich.
    Jetzt freue ich mich noch mehr auf meinen Besuch in der Kunsthalle.

    Danke! Ralf

  • Liebe Diana, Du sprichst mir aus der Seele. Dein Artikel ist einfach wundervoll.

    Liebe Grüße
    Gabriele

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